Psychoaktive Drogen in der Ernährung

Psychoaktive Drogen im Essen – wirken sie? + 8 Berauschende, psychoaktive Gewürze / Nahrungsmittel

In diesem Artikel gehe ich auf den Zusammenhang von Essen und Rausch ein. Viele Nahrungsmittel / Gewürze Psychoaktive Gewürzeenthalten psychoaktive Substanzen, die tatsächlich berauschend wirken können und die Hirnchemie verändern.

Es gibt viele Drogen Gegner, die den Konsum von Rauschmitteln verteufeln und die Konsumenten als asoziale „Junkies“ beschimpfen.
Die selben Menschen wissen oft nicht, dass sie selbst Drogen konsumieren. Alkohol und Tabak ist das Offensichtlichste, hier handelt es sich schließlich deutlich um psychoaktive Substanzen, die einen Rausch erzeugen.
Auch Koffein gehört natürlich zu den Drogen, wobei das schon etwas unbekannter ist.

Aber selbst darüber hinaus gehört es zu unserem Alltag, psychoaktive Substanzen einzunehmen.
Zunächst möchte ich einige psychoaktive Nahrungsmittel auflisten, danach gehe ich darauf ein, inwiefern das Essen dieser tatsächlich eine berauschende Wirkung erzeugt.

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Liste – 8 psychoaktive Nahrungsmittel / Gewürze

1. Muskatnuss (Myristica fragrans)

Dieses beliebte exotische Gewürz ist definitiv psychoaktiv. Es wird sogar in höheren Dosierungen  als Droge verwendet, auch wenn der Rausch meist als nicht positiv empfunden wird und auch wenn es durchaus körperlich und psychisch gefährlich sein kann.
Die Hauptwirkstoffe sind Elemicin, Myristicin und Safrol.
Diese wirken delirant, halluzinogen, empathogen und manchmal euphorisch / stimmungsaufhellend, natürlich von der Dosis abhängig. Dass auch in typischen würzenden Dosierungen eine stimmungsaufhellende Wirkung verspürt wird, ist durchaus gut möglich und davon wird öfter berichtet!

Außerdem enthält die Muskatnuss Inhaltsstoffe, die auf das körpereigene Cannabinoid Anandamid einwirken und dessen Abbau hemmen. Dadurch steigt die Konzentration von Anandamid im Gehirn, wodurch das Schmerzempfinden, Euphorie etc. verändert werden.

Einen ausführlichen Infoartikel zu Muskatnuss als Droge findet ihr hier!

 

2. Kakao (Theobroma cacao)

Dass Kakao stimulierend / aufputschend wirkt sollte bekannt sein. Er enthält Theobromin und auch geringe Mengen Koffein, beides sind miteinander verwandte Substanzen, die wach machen, die Konzentration und Leistung steigern können und bei manchen die Laune verbessern.
Deswegen ist es in den letzten Jahren auch aufgekommen, dass in der Partyszene purer Kakao nasal gezogen wird, außerdem werden auf GOA / Techno Festivals oft hochdosierte Kakao Getränke verkauft.

Neben diesen beiden klar psychoaktiven Substanzen enthält Kakao allerdings auch Anandamid, das eben schon erwähnte körpereigene Cannabinoid, und außerdem auch Substanzen, die den Abbau von Anandamid im Körper hemmen.
Der Gehalt an Anandamid ist allerdings eher gering, weswegen schon sehr, sehr hohe Mengen Kakao eingenommen werden müssten, damit dadurch eine Wirkung erzeugt werden könnte.
Es könnte allerdings sein, dass der wilde Kakao in Südamerika mehr Anandamid enthielt oder dass die von schamanischen Stämmen eingenommene Menge ausreicht, sodass diese Stämme tatsächlich auch eine cannabinoide Wirkung verspürt haben könnten.

Ein Rezept zu einem aztekischen Chili-Kakao-Kaffee findet ihr hier!


3. Kurkuma (Curcuma longa)

Dieses sehr gesunde Gewürz, das auch Bestandteil der Curry Gewürzmischung ist, enthält Kurkumin.
Kurkumin wirkt in Tierversuchen (die nicht eins zu eins auf Menschen übertragbar sind) antidepressiv und damit stimmungsaufhellend, es ist auch ein sehr leichter MAO-Hemmer.
Dementsprechend kann Kurkuma als Naturheilmittel gegen schlechte Laune / leichte Depression versucht werden.

Interessanterweise zeigt die Kurkuma Wurzel mehr therapeutisches Potential als das isolierte Kurkumin.
Da die Bioverfügbarkeit von Kurkumin sehr schlecht ist, muss man die Aufnahme verbessern. Dies funktioniert durch fettreiche Nahrung und schwarzen Pfeffer (bzw. den enthaltenen Stoff Piperin).

Außerdem wurde gemessen, dass eine tägliche Einnahme von Kurkumin über einen längeren Zeitraum die Wirkstoffkonzentration von Anandamid im Gehirn deutlich steigerte.

Einen Infoartikel zu Kurkuma findet ihr hier!


4. Safran (Crocus sativus)

Der Safran ist wegen des hohen Preises für die allermeisten wahrscheinlich kein alltägliches Gewürz.
Oft wird Risotto damit gewürzt, es kann aber auch für Süßspeisen genutzt werden.

Der Hauptwirkstoff ist Safranal, dieser wirkt wohl aphrodisierend, antidepressiv und stimmungsaufhellend.
Wegen des Preises ist es allerdings weniger sinnvoll, Safran in hohen Mengen als deutlich wirksames Aphrodisiakum oder Antidepressivum einzunehmen.


5. Schwarzer Pfeffer (Piper nigrum)

Pfeffer ist auf ganz verschiedene Arten für das Thema Essen als Droge relevant.
Zum einen verbessert der enthaltene Hauptwirkstoff Piperin, der auch für die Schärfe verantwortlich ist, die Aufnahme von allerlei Substanzen über die Magenschleimhaut.
Wie schon gesagt wird es daher empfohlen, Kurkuma immer mit Pfeffer kombiniert einzunehmen.

Aber auch bei Kratom (Mitragyna speciosa – einen ausführlichen Infoartikel findet ihr hier) gibt es den Tipp, vor der Einnahme einige Pfefferkörner zu essen, sodass die Wirkung stärker ausfällt.

Piperin wirkt außerdem an den TRPV1-Rezeptoren und kann scheinbar die Biosynthese und den Ausstoß von Anandamid stimulieren.
Das enthaltene Guineensin hemmt die Wiederaufnahme von Anandamid, wodurch mehr Anandamid im Gehirn verbleibt.

Außerdem enthält Pfeffer β-caryophyllene, eine Substanz, die an sich nicht psychoaktiv ist, aber an den CB2-Cannabinoid Rezeptoren wirkt. Diese Substanz kommt auch in Cannabis vor. Vielleicht könnte sie andere cannabinoide Substanzen verstärken bzw. deren Wirkung verändern!

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6. Galangal / Galgant / Galanga / Gewürzlilie (Kaempferia galanga)

Diese mit Ingwer verwandte Pflanze ist vor allem in der asiatischen Küche verbreitet.
Zur Gewürzlilie sind verschiedene psychoaktive Wirkungen bekannt, es wirkt euphorisch, leicht psychedelisch und Cannabinoid-artig.
Mit Galanga in höheren Dosierungen wurden schon einige Bioessays (also Selbstexperimente) gemacht, es gibt aber auch Berichte darüber, dass auch normale Dosierungen im Essen schon eine stimmungsverbessernde, die Gedanken verändernde Wirkung erzeugen.
Außerdem hat Galangal einige schmerzhemmende und heilende Effekte.

Einen ausführlichen Infoartikel zu Kaempferia galanga als Rauschmittel findet ihr hier!

 

7. Vanille (Vanilla planifolia)

Den wundervollen Geschmack von Vanille kennt wahrscheinlich jeder. Umso schöner finde ich es, dass auch die Vanille psychoaktives Potential hat.
Vanillin, der Stoff, der hauptsächlich für den Geschmack verantwortlich ist, wirkt als TRPV1 Rezeptor Agonist (ebenso wie Piperin), steigert also auch die Synthese und den Ausstoß von Anandamid im Gehirn.

8.  Chili (Capsicum spp.)

Wie beim Pfeffer ist auch der für die Schärfe verantwortliche Stoff in der Chili, Capsaicin, möglichen.
Es gibt bereits einige Berichte in der Ethnobotanik / psychoaktive Pflanzen Szene darüber, dass Chili leicht euphorisch wirken kann.

 

Neben den genannten Nahrungsmitteln gibt es noch einige weitere, die entweder erwiesernmaßen psychoaktiv wirken oder bei denen es die Vermutung gibt, dass sie einen berauschenden Effekt haben könnten. Ingwer könnte man noch nennen, außerdem Nelken, Petersilie, Sassafras (in hohen Dosierungen klar stark psychoaktiv, hier findet ihr einen ausführlichen Infoartikel zu Sassafras) und Zimt.

 

Wirken psychoaktive Drogen in Nahrungsmitteln tatsächlich?

Diese Frage ist noch nicht endgültig geklärt. Es gibt wenige wissenschaftliche Studien zu diesem Thema und viele sind lediglich Tierversuche, die nicht komplett auf den Menschen übertragbar sind.
Natürlich gibt es teilweise auch Selbstversuche von ethnobotanischen Experimentatoren, welche aber natürlich durch Placebo verfälscht sein können oder oft bei hohen Dosierungen stattfinden, die beim normalen Essen nicht erreicht werden.

Es ist jedoch nicht gerade unwahrscheinlich, erst Recht wenn viel gewürzt wird und die genannten Gewürze / Pflanzen clever kombiniert werden.
Ein Stück Schokolade wird vermutlich keinen merkbaren Anstieg des Anandamid Level im Gehirn erzeugen, ein aztekisch inspirierter Kakao (hier findet ihr ein Rezept eines aztekischen Chili-Kakao-Kaffee) schon eher.

Schon Hildegard von Bingen empfahl Kekse aus Mehl, Wasser und zu gleichen Teilen Muskatnuss, Zimt und Nelken zu backen, um „den Geist fröhlich“ zu machen.

In der deutschen (und auch österreichischen & schweizer) Küche wird heutzutage oft sehr wenig gewürzt. Neben den vielen gesundheitlichen Gründen (Gewürze sind die antioxidativsten Lebensmittel überhaupt) habe ich mit dieser Liste hoffentlich auch einen Grund geliefert, öfter stark zu würzen.

Es könnte sehr gut sein, dass die Stimmung generell gehoben wird, vielleicht wird auch das Schmerzmanagement verbessert und sogar Depressionen gelindert.

Ich werde bald ein Rezept für ein Getränk posten, das sich auf diesen Artikel bezieht und viele der hier genannten Nahrungsmittel enthält.

Habt ihr Erfahrungen mit der psychoaktiven Wirkung dieser Gewürze? Schreibt sie gerne in die Kommentare, würde mich freuen, Berichte dazu zu lesen!

Es gäbe noch eine weitere Ebene der Drogen in Nahrungsmitteln, die im Buch „Opium fürs Volk“ von Udo Pollmer (hier könnt ihr es kaufen, interessantes Buch!) ausgeführt wird und über die Sasha Shulgin (legendärer Chemiker, Drogenentdecker und Selbstexperimentator – hier findet ihr sein Hauptwerk PiHKAL). Der Körper kann bestimmte Stoffe, welche in Essen enthalten sind, (wie etwa Eugenol, Elemicin & Myristicin) zu bekanntermaßen psychoaktiven Stoffen (bspw. Amphetamin) umwandeln. Auch während des Koch-/ Backprozesses könnten solche Prozesse stattfinden.
Inwiefern diese Biosynthesen zu stark wirksamen Rauschmitteln tatsächlich zu einer Aufnahme von Amphetamin & Co. im Gehirn führt, ist soweit ich weiß nicht geklärt.

Es ist also viel Forschung in diesem Bereich nötig!

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